Baustellen — Zuversicht!
„Es ist genug! Es reicht!“, diesen Gedanken kennen viele von uns nur zu gut.
Unterwegs in Ulm – im Stau, in endlosen Umleitungen, vor Absperrungen selbst für Fußgänger, an Baustellen, die scheinbar nie fertig werden. Manchmal möchte man einfach nur ankommen – ohne Umweg, ohne Geduld, ohne weitere Hindernisse.
Baustellen begegnen uns aber nicht nur auf den Straßen.
Es gibt auch die großen Baustellen unserer Zeit: Kriege, der Umgang mit den Ressourcen unserer Erde, die Klimakrise, tiefgreifende wirtschaftliche Umbrüche weltweit etc.
Und auch in unseren Kirchengemeinden gibt es derzeit viele Baustellen. Gefühlt wird überall zugleich umgebaut. Damit meine ich nicht nur sichtbare Renovierungen wie am Münster oder an der Pauluskirche. Es gibt auch andere, weniger greifbare Baustellen: die Verwaltungsreform und die Umstellung des Haushaltssystems, neue Spendensysteme, digitales Gemeindemanagement, Reduzierung von Pfarrstellen und Gebäuden, neue Kooperationsformen in der Fusion zweier Kirchenbezirke und in den Teilgebieten mit mehreren Gemeinden.
Überall Baustelle.
Grund zum Verzweifeln? Nein. Denn: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7)
Mit dieser Zusage baut Gott seine Kirche. Der Urgrund der Kirche wird Sonntag für Sonntag im Gottesdienst gefeiert: Ostern. Wir leben aus der Grundüberzeugung, dass das Leben siegt, dass es Grund zur Hoffnung gibt, selbst noch in der letzten Sackgasse. Das gibt mir Mut für die Baustellen, die vor uns liegen. Wir bauen um und gestalten neu – zuversichtlich.
Wie die kirchliche Landschaft in ein paar Jahrzehnten in Ulm aussieht? Ob und wie manches abgetragen werden muss und anderes neu zusammengebaut?
Ich weiß es nicht.
Aber ich weiß, dass das Fundament, auf das gebaut wird, trägt. Wir leben aus der Fülle Gottes, aus dem Glauben an Jesus Christus, der selbst aus fünf Broten und zwei Fischen Tausende satt macht. Was uns zu klein erscheint, wird bei Gott zum Segen für viele. Deshalb bauen wir auf Zuversicht.
Denn am Ende gilt vielleicht ganz anders als oben der gleiche Ausruf: „Es ist genug! Es reicht!“ – was Gott uns schenkt, Tag für Tag.
Aus diesem „Genug“ und aus diesem Reichtum wünsche ich Ihnen die Kraft, gelassen und zuversichtlich mitzubauen und weiterzugehen: durch die Baustellen Ulms, durch die Baustellen der Kirche, durch die Baustellen des Lebens.
Gott segne Sie!
Ihr Pfarrer Peter Heiter