Frauennetzwerk weltweit
Es ist nicht sichtbar, aber ich kann es spüren – jedes Jahr im März ganz besonders, beim Weltgebetstag: das Netzwerk zwischen Frauen, zwischen Menschen, das sich um die ganze Erde spannt.
Weltweit beten und handeln
„Informiert beten – betend handeln“ – das ist das Leitmotiv des Weltgebetstags, einer weltweiten ökumenischen Basisbewegung von Frauen, die sich für Solidarität und Frauenrechte einsetzt. Es verbindet Gebet mit konkretem Handeln: Die Teilnehmerinnen informieren sich über Lebensbedingungen in anderen Ländern und unterstützen durch Kollekten Projekte für Mädchen und Frauen.
In diesem Jahr haben Frauen aus Nigeria die Liturgie vorbereitet und ich lerne, dass Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas mit über 230 Millionen Menschen, 250 Ethnien und über 500 gesprochenen Sprachen ist. Dank der Ölindustrie ist das Land wirtschaftlich stark, jedoch sind Reichtum und Macht sehr ungleich verteilt.
„Kommt, bringt eure Last!“
„Kommt, bringt eure Last!“ – laden die Frauen aus Nigeria ein und ich ahne, dass sie selbst so viel mehr Lasten tragen als ich, nicht nur auf ihren Köpfen, sondern auch in ihrem Leben. Religiöse, ethnische und soziale Spannungen, islamistische Terrorgruppen, korrupte Regierungen, Umweltverschmutzungen aufgrund der Ölindustrie führen zu Hunger, Armut, Perspektivlosigkeit und Gewalt.
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“, sagt Jesus. Und wieviel Kraft und Hoffnung ihr Glaube ihnen jeden Tag gibt, davon erzählen die Frauen aus Nigeria. Sie berichten vom Mut alleinerziehender Mütter, von Stärke durch Gemeinschaft, vom Glauben inmitten der Angst und von der Kraft, selbst unter schwersten Bedingungen durchzuhalten und weiterzumachen.
Vernetzt leben
Indem ich mich informiere, indem ich mit den Worten meiner Schwestern in Nigeria bete, spannt sich ein unsichtbares, aber spürbares Netzwerk um unsere Erde und ich merke:
Ja, es mag uns viel unterscheiden, aber wir leben gemeinsam unter Gottes Himmel und so, wie die Frauen in Nigeria nur gemeinsam, in der gegenseitigen Unterstützung und Solidarität gut leben können, so brauche auch ich andere Frauen, die mir Vorbild sind und Ideen geben, mit denen ich lachen und streiten und wachsen kann. Ich brauche Frauen, die mich unterstützen und mit denen ich meine Last teilen kann.
Und ich selbst will eine sein, die anderen Mut macht und zuhört, die bedingungslos solidarisch ist, die mitlacht und weint und aushält. Ich will teilen, was ich habe: Gedanken, Glauben, Kraft und Geld.
Vielleicht wird so etwas sichtbar von dem, was uns zusammenhält: Gottes Liebe.
Herzliche Grüße
Pfarrerin Judith Heiter