Monatsspruch für den November: „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!”

(Jesaja 5, 20)

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen schilderte beim Pfarrertag in Ulm folgende Situation: Als das Bombardement in der Ukraine begann, wartete ein Mann täglich darauf, dass sein Vater anrufen und sich besorgt nach ihm erkundigen würde. Aber er hört nichts vom Vater, der als Mönch in einem russischen Kloster lebte. Schließlich rief er selbst an und fragte: Willst du nicht wissen, wie es mir geht in der Gefahr im Krieg hier? Da antwortete der Vater: Ich weiß doch aus den russischen Nachrichten, dass unser Land euch jetzt versorgt, Essen und Kleidung bringt und die stark gewordenen Nazis in der Ukraine vertreibt. Nach dieser Aussage war kein Gespräch zwischen Vater und Sohn möglich. Die gezielte Desinformation der Presse war stärker als das Vertrauen in die Aussagen des anderen. Ein paar Tage später gelang es dann doch. Am Ende sagte der Vater: ich glaube dir, was du mir erzählst.

Wenn ich den Monatsspruch für November lese, frage ich mich, was Jesajas Warnung vor der Verdrehung der Wahrheit zu seiner Zeit bewirkt hat. Auch damals haben Herrschende ihre Macht durch falsche Aussagen gestärkt. Auch sie haben Menschen blind gemacht für die Gefahr durch ihre Pläne. Jesaja versuchte als Stimme Gottes mit seiner Wehklage das Volk zum Umdenken zu bringen.

Wie kann das gelingen, wenn Positionen verhärtet sind und gezielt Falschinformation verbreitet wird? Auch hier begegnen mir manchmal Menschen, die durch solche Halb- und Viertelwahrheiten oder Lügen eine Einschätzung der Situation haben, die sie kaum noch zugänglich macht für andere Stimmen. Desinformation und Propaganda gefährden aber letztlich Leben und Sicherheit und auch den Glauben.

Es braucht hier wohl mehreres. Einen klaren Kompass für die Grundrichtung, ausgerichtet an Jesu Friedensauftrag. Dazu Menschen, die sich eingeordnete und geprüfte Informationen holen durch seriöse Presseorgane. Und den unermüdlichen Versuch, im Gespräch zu bleiben und auf dieser persönlichen Ebene andere Erfahrungen und Sichtweisen einzubringen.

Herzlich grüßt Ihre
Pfarrerin Andrea Luiking

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