Du stellst meine Füße auf weiten Raum

„Schöne Aussichten“ war das Thema unserer diesjährigen Ulmer Sommerpredigtreihe. Ich hoffe, es hat sich Ihnen in den letzten Wochen in den Gottesdiensten der verschiedenen Kirchen die eine oder andere schöne Aussicht dargeboten! Vielleicht haben Sie auch das sommerliche Wetter ganz praktisch öfter für einen Ausflug oder Urlaub genutzt?

Erfrischung
Wir von der Studierendengemeinde jedenfalls sind im Sommer viel draußen unterwegs gewesen: bei unserem Hüttenwochenende in Fetzenbach bei Todtmoos im Schwarzwald, bei unserer Gemeindereise (dieses Jahr ging es nach Assisi in Umbrien), aber auch bei unseren ganz normalen Gemeindeabenden am Dienstag. Am Ufer der Iller etwa lässt sich einfach besser als drinnen nachvollziehen, wie Jesus getauft wurde. Vor allem, wenn man es mit einem erfrischenden Bad verbinden kann.

Der Blick ins Weite
Und auch ein Bibelwort wie „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ lässt sich eindrücklicher meditieren, wenn man oben auf einem Berggipfel steht und die Weite des Ausblicks auf sich wirken lässt. Das Foto auf der Titelseite ist vor einigen Semestern bei einem Ausflug der Studierendengemeinde in den Südschwarzwald entstanden. Da waren wir beim Todtmooser Wasserfall zwischen den Todtmooser Ortsteilen Rütte und Hintertodtmoos.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“
Der Gedanke aus Psalm 31 „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ hat uns auch dieses Jahr begleitet.
Erstmalig gebetet von einem Menschen, der sich selbst als umzingelt und bedroht erlebt hat, als wäre er wie ein wildes Tier in einem Netz gefangen.
Kein Wunder, dass er auf Befreiung hofft, sich nach Freiheit sehnt: „Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir heimlich stellten.“

Sehnsucht und Angst vor der Freiheit
Diese Sehnsucht nach (innerer und äußerer) Freiheit ist auch bei uns in der Studierendengemeinde lebendig. Genauso wie die Angst, die Freiheit auch machen kann. Wenn ich frei bin, darf ich, muss ich aber auch selbst Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür übernehmen. Wer heute ein Studium beginnen will, hat die Auswahl aus 23.082 Studiengängen in Deutschland. Das kann auch einen auch überfordern.

Ein Lied als Wegbegleitung
Gerade im jungen Erwachsenenalter sind ganz viele Entscheidungen zu treffen. So ist es sicher kein Zufall, dass ein Lied, das Psalm 31 aufgreift, zu den Lieblingsliedern in der Studierendengemeinde gehört. Sir singen es regelmäßig, mal mit Klavier- mal mit Gitarrenbegleitung. Es heißt „Weite Räume meinen Füßen“, geschrieben wurde es im Jahr 2000 von Eugen Eckert. In unserem ESG-Liederbuch „Durch Hohes und Tiefes“ schlägt sich die Seite schon von allein auf:

„Weite Räume meinen Füßen“
Weite Räume meinen Füßen,
Horizonte tun sich auf,
zwischen Wagemut und Ängsten
nimmt das Leben seinen Lauf.
Du stellst meine Füße auf weiten Raum!

Schritt ins Offne, Ort zum Atmen,
hinter uns die Sklaverei;
mit dem Risiko des Irrtums machst
du, Gott, uns Menschen frei.
Du stellst meine Füße auf weiten Raum!

Da sind Quellen, sind Ressourcen,
da ist Platz für Phantasie;
zwischen Chancen und Gefahren
Perspektiven wie noch nie.
Du stellst meine Füße auf weiten Raum!

Doch bleib Kompass, bleibe Richtschnur,
dass wir nicht verloren gehen,
zu der Weite unsrer Räume lass uns auch die Grenzen sehn.
Du stellst meine Füße auf weiten Raum!

Aktueller denn je
Ein Lied, das ermuntert, die Freiheit zu suchen und sie zu gestalten. Sie als Geschenk und Aufgabe zu sehen: „Denn du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum.“

Hochschul- und Studierendenpfarrer Stephan Schwarz

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